Mitglieder der Seniorenunion Sankt Augustin in Berlin vom 7.-10.Mai 2019

14.08.2019
Senioren Union

Unser Bundestagsabgeordneter Dr. Norbert Röttgen hat der SU Sankt Augustin zu ihrem 30jährigen Bestehen 14 Plätze zu einer Berlin-Reise ermöglicht.

Unser Bundestagsabgeordneter Dr. Norbert Röttgen hat der SU Sankt Augustin zu ihrem 30jährigen Bestehen 14 Plätze zu einer Berlin-Reise ermöglicht. Die Auswahl fand anlässlich des Jubiläums im Haus Menden durch Losentscheid unter den Anwesenden statt.

So trafen sich die Augustiner Unionsmitglieder mit 34 weiteren SU-Mitgliedern aus Meckenheim und Königswinter am 7. Mai um 7 30 Uhr am Hauptbahnhof in Bonn, um mit einem Regionalexpress nach Köln zu fahren und dann mit dem ICE nach Berlin. Die erste Eintrübung ab Bonn war, dass vor uns ein ICE technische Probleme hatte und so die Durchfahrt nach Köln sich zu verzögern drohte. Doch es ging weiter pünktlich und gut weiter.

In Berlin wurden wir mit einem Bus und Reisebegleitung des Bundespresseamtes am Hauptbahnhof abgeholt und in einer ersten Stadtrundfahrt durch die Bundeshauptstadt kutschiert. Hierbei wurde augenfällig, dass unser Stadtführer für die nächsten drei Tage ein sehr guter Kenner der Berliner Örtlichkeiten und Geschichte ist. Er ist in Euskirchen aufgewachsen und hat dann in Berlin studiert.

Ein erstes Bonmot lieferte er beim Halt am Brandenburger Tor. Sein Großvater wollte Anfang des ersten Weltkrieges als Jugendlicher mit einer Gruppe durch das Brandenburger Tor gehen, aber nicht seitlich, sondern durch die Mitte! Dagegen hatten die stets präsenten Pickelhauben-Wachleute etwas, denn die Mitte war nur für die Hoheiten!

Nach dem Einchecken im Hotel Ku‘Damm 101, gab es direkt neben unserem Hotel das erste Abendessen im Haus der 100 Biere.

Am Mittwoch ging es schon früh zum ZDF-Hauptstadtstudio zur Teilnahme am "Morgenmagazin". Die Sendung war live. Die meisten von uns hatten Sitzplätze, an denen dann auch Getränke und Kuchen serviert wurde.

Der Moderator (rechts im Bild) begrüßte an diesem Tag als Gäste Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD, und Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP. Die Themen waren Flüchtlings- und Asylpolitik. Nach der Sendung machten wir Rundgang durch die Technikräume. Abschließend gab es eine Aussprache mit dem ZDF-Studioleiter über die Arbeitsweise des Studios: Themenauswahl, Aktualität, Verbindung mit Außenstellen.

Danach ging es zum Berliner Fernsehturm. Auf 207 Metern Höhe fanden wir auf einem Karussell Platz, der uns in ca. einer Stunde einen grandiosen Rundblick über Berlin ermöglichte. Dezente Hinweise auf den Fenstern gewährten uns die vielleicht fehlenden Ortskenntnisse. Da war das gleichzeitig gute Essen wirklich Nebensache.

Ein Besuch einer Plenarsitzung im Deutscher Bundestag ist natürlich Pflicht. Gerade stand eine Fragestunde an. Die Themen waren: Familienunterstützung, Bundesbahnplanstellen und Artenschutz in der Landwirtschaft. Die Zuhörer durften weder winken, klatschen oder rufen, so hat man uns belehrt. So ist das mit der bürgerlichen Mitwirkung.

Anders beim Treffen im Reichstag mit MdB Dr. Norbert Röttgen. Gut gelaunt berichtete er von dem gerade stattgefundenen Treffen mit einem chinesischen Gesandten. Dieser –sehr gut Deutsch sprechend – sei sehr interessiert an guten Beziehungen mit Deutschland. Es hat sich in der letzten Zeit auch einiges geändert. Früher pochte die chinesische Republik bei wirtschaftlichen Beteiligungen immer auf Übermacht. Damit kaufte man sich mit den Firmen auch alles Know-how ein. Jetzt sei man zurückhaltender.

Zu der aktuellen Situation bedauerte er die missliche Lage zur Europawahl. Der CDU –und nicht nur ihr - fehle ein packendes Thema, das die Menschen von der Europaidee begeiste n könnte. Leider gibt der Brexit das falsche Signal. Die britische Stimmungslage sei chaotisch, ein Hoffnungsschimmer nicht in Sicht. Da ist es angebracht, dass die Kanzlerin den Briten Zeit zum Besinnen zugesteht. Rausschmeißen wäre derzeit für alle ein Verlust. Leider hat der Erfolg der europäischen Union in Sachen Urheberschutz in den politischen Rändern hässliche Spuren hinterlassen. Es wird zu wenig anerkannt, dass dem Erbringer von kulturellen Leistungen in Form von Text, Film oder Bild auch eine Leistung zusteht und nicht nur Internet-Giganten ungerechtfertigt am geistigen Eigentum verdienen.

Hier das Abschlussfoto der ganzen Reisetruppe nach dem Treffen mit Dr. Röttgen:

Am Abend gab es Essen im Restaurant Zur Kneipe. Dieses Lokal wurde von Wolfgang Gruner (gest. 2002) – legendärer Kabarettist der Berliner Stachelschweine – gegründet. Die Kneipe lag in der Nähe der Gedächtniskirche, also nahe am Ku-Damm. Nach der Sättigung nahmen einige gerne den Fußweg (1/2 Stunde) über den Ku-Damm zu unserem Hotel. Wenn auch einige Tropfen fielen, so war der Boulevard mit seinen üppigen Auslagen schon ein Spaziergang wert.

Im Haus der 100 Biere gab es dann später auch ein Wiedersehen mit einigen SU-Berlinbesuchern. Allerdings war die Geschmacks-Skepsis gegenüber dem „Berliner Weißen“ groß, der sowohl in Rot als auch in Grün kredenzt wurde. Die pure Neugier siegte aber meistens. Es ist aber schon eine Zumutung, Bier mit einem Strohhalm zu trinken!

Am Donnerstag ging die Busreise gegen 9 Uhr nach Potsdam. Der Name Potsdam soll aus dem slavischen stammen und heiße: „unter den Eichen!“ Über die Autobahn - an der AVUS vorbei – fuhren wir tatsächlich durch viel Wald. Auf dieser Strecke teilte unser Stadtführer viel Geschichtswissen mit. Woher kamen alle die Leute, die hier für den Fürsten bauen und arbeiten sollten. Sie kamen aus dem slavischen Raum, aus dem Rheingebiet und aus Belgien/Holland. So sind noch heute die Bauspuren erkennbar. Aber auch die Exzellenzen brauchten Wohnungen, und so gibt es ein Sammelsurium von prächtigen Wohnanlagen.

Unser erster Besuch galt der Gedenkstätte in der Lindenstraße, das ein ehemaliges Stasi-Gefängnis war. Das Haus wurde 1737 erbaut und diente als Wohnsitz für die Potsdamer Stadtkommandanten. 1809 tagte hier die erste Stadtverordnetenversammlung und seit 1820 das Stadtgericht. Das Gefängnisareal auf dem Hof entstand 1907. Von 1934 bis 1944 war hier das „Erbgesundheitsgericht" tätig. Dieses fällte Urteile über Erbkrankheiten (Schwachsinn, Fallsucht, Wahnsinn u.a.) mit dem Urteil, die Menschen zu sterilisieren, was vor allem für Frauen nicht ungefährlich war. In dem Gefängnis wurden auch Angeklagte des Volksgerichtshofes eingesperrt. Im Juli 1945 zogen die Untersuchungsabteilungen des sowjetischen Militärtribunals und das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten in das Gebäude. 1952 wurde es der Staatssicherheit der DDR übergeben. Seitdem diente es bis 1989 als Untersuchungsgefängnis des MfS.

Der Besuch war beklemmend. In engen Zellen saßen Menschen, denen die einfachsten Menschenrechte versagt wurden: sie wollten nicht mitlaufen, sie wollten frei sein, sie wollten andere nicht verraten oder einfach anders leben. Viele erschütternde Geschichten sind hier dokumentiert .

Exemplarisch schrieb 1972 ein ehemaliger Zelleninsasse:

Potsdam - du hast zwei Gesichter.

Eines, das stets sehenswert,

prägten deine Maler, Dichter 

und die Preußen mit dem Schwert.

 

Bloß das andre ist weit schlichter,

knebelt Freiheit mit Gewalt,

dieses prägen deine Richter,

Stasi und der Staatsanwalt.

 

Potsdam hat natürlich auch eine sehr attraktive Seite: Schloss Sanssouci! Unsere Fahrt ging hinter dem Schloss entlang, wo wir eine Windmühle sahen, die dem Preußenkönig zu Forschungszwecken diente. Man wollte autark sein. So wollte man Getreidearten untersuchen, die sich am besten eigneten für die Landwirtschaft. Beeindruckend waren die „Gebäude“ am Fuße des Schlosses (Neues Palais): Die „Bediensteten“ wohnten in schlossähnlichen Anlagen! Dass der Friedrich kein Adonis war, konnte man kaum erkennen, denn seine körperlichen Mängel wusste man gut zu verstecken.

In der „Grüne Lampe“ gab es das Mittagsbuffet. Es war ein bisschen eng, doch alle bekamen Platz und wurden satt. 

Auf dem Weg zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gab es noch einen Abstecher zu den Markthallen, eine überdachte Ansammlung von kleinen Geschäften mit vielfältigem Angebot. Unsere Besuchertruppe machte vor allem vom Eisangebot Gebrauch. Direkt neben der Markthalle konnte man die „Park-Sets“(anstelle Parkpätze Sitzplätze) bestaunen, eine Initiative, die der autofreundlichen Stadt Paroli bieten wollte. 

Im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gab es ein Vortrag über die Arbeitsweise des Ministeriums. Der Referent erläuterte einige Ziele für Nachhaltige Entwicklung, auf die sich im September 2015 auf einem UN Gipfel alle Mitgliedsstaaten einigten: 

Daraus kann man Kernbotschaften formulieren:

  • Die Würde des Menschen steht im Mittelpunkt,
  • Den Planeten schützen und den Klimawandel begrenzen
  • Wohlstand für alle fördern
  • Frieden fördern
  • Globale Partnerschaften aufbauen

Alle Projekte, die in Angriff genommen werden, durchlaufen ein gegenseitiges Abstimmungsverfahren mit den betroffenen Ländern. Es geht nicht darum ob das, was wir meinen gemacht werden sollte, sondern, was mit Zustimmung der Entwicklungsländer machbar und gewollt ist.

Im zweiten Teil stellte ein Entwicklungshelfer ein Projekt in Tansania vor. Es ging um die Verbesserung der Wasserversorgung. Der sehr engagierte Wasserbau-Ingenieur mit Wurzeln aus Tansania, machte sehr deutlich, das Tradition und Fortschritt viele Umwege nötig machen.

Zum Abendbuffet ging es in Veli's Restaurant, in Berlin-Kreuzberg. Ein gediegenes Lokal, in dem der Küchenchef die Initialen von Seniorenunion und Röttgen in den Tiegel mit Kartoffelpüree gravierte. Endlich mal einer, der mitdenkt!

Am Freitag war Abreise, doch zuvor gab es noch einmal einen Abstecher zum sagenhaften KaDeWe am Wittelsbacher Platz. Der üppige Brunnen stimmte schon ein in die bevorstehende Kauforgie. Die Darstellung des Südbrunnens mit den „Lebensalter“ war da auch nicht als Abstinenz-Gebot haltbar. Wenn auch beim Besuch des Konsumtempels nur eine Einkaufstüte mit der „KaDeWe“ Aufschrift heraus kam, so war das doch ein starkes Zeichen.

Bei den letzten Schritten zum Abfahrtsgleis gab es leider an der Rolltreppe kleinere Unfälle, bei der es auch Verletzungen gab. Gott sei Dank waren die Auswirkungen nicht so schlimm, dass fremde Hilfe nötig gewesen wäre. Im IC haben dann Bahnmitarbeiter Hilfe geleistet so dass die Weiterfahrt gewährleistet war. Leider wurde im Nachhinein medizinisch festgestellt, dass ein Handbruch vorlag. Dagegen ist eine Prellung des Allerwertesten wirklich erträglicher.

Auch mit diesem letzten Ereignis war die Berlinfahrt eine gelungene Veranstaltung und es ist dem Presseamt, dem Begleitteam und besonders unserem MdB Dr. Norbert Röttgen zu danken für diesen ereignisreichen und schönen Berlinbesuch!

Auf dem Bild fehlt das Ehepaar Voigt.

Text und Fotos: Werner Kerber